Ein buntes Schwarz

Ein Bild zu Heitor Villa-Lobos Prelude No.1

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Ich schließe die Augen. Alles um mich herum ist Schwarz – bereit.

Die Musik beginnt. Ich folge der Melodie.
Das Hauptthema – eine Folge von jeweils zwei Tönen in harmonischen Intervallen – aufeinanderfolgende Paare im perfekten Gleichgewicht.

Die zweite Stimme – bestehend aus drei gleichzeitigen Tönen – ein Akkord – regelmäßig dreimal schnell angeschlagen – 3 mal 3 – wie ein rhythmischer Herzschlag – Energie.

Ich stelle mir vor, wie die Saiten der Gitarre vibrieren. Konturen entwickeln sich.

Meine Vorstellungskraft entführt mich nach Südamerika – Brasilien, Strände, Palmen, der Sternenhimmel – die Sonne. Die Sonne! Die Sonne ist das Leben.

Die Musik wird schneller – anspruchsvoller – virtuos – Akkordfolgen wechseln mit Melodieläufen – die Finger fliegen – das Instrument erfüllt den Raum.

Der Name des Komponisten kommt mir in den Sinn: ‘Villa-Lobos’.
Villa – ich denke an eine Stadt, eine Stadt in den Bergen – durchflutet von Licht.


Ich sehe fröhliche tanzende Menschen, Vögel fliegen umher, ein Fest.
Lobos, die Wölfe, die im Dunkeln umherstreifen, ihre Augen leuchtend vor Intelligenz und Geheimnis.

Immer weiter reißt die schwarze Leinwand auf – Musik ist Farbe ist Phantasie.
Die Gitarre bricht das Schwarz – füllt die Leinwand mit lebendigen Farben und Formen. Strukturen entwickeln sich – öffnen Einblicke – füllen die Fläche mit Heiterkeit, mit Lebendigkeit.
Dann das Finale – ein letzter Ton – ein letzter Pinselstrich und dann:

‘Ein buntes Schwarz’.

Heitor hat meinen Tag bunter gemacht – Danke Heitor!